Kloster Huysburg

Die Abtei war zu DDR-Zeiten ein katholisches Bollwerk im Osten
"Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen", so heißt es in den Benediktinerregeln über die Aufnahme von Gästen.Dieser Regel hat sich auch der im Harzer Kloster Huysburg (sprich: Hühsburg) ansässige Orden verschrieben. Die Gemeinschaft gehört zur internationalen "Benediktinerkongregation von der Verkündigung" und ist als Priorat mit der Abtei St. Matthias in Trier verbunden.
Die Mönche bieten fast ganzjährig Exerzitien an, aber auch Gäste ohne religiösen Hintergrund sind hier willkommen. Die Benediktiner wollen nämlich mit ihren Angeboten besonders den Dialog mit Menschen, die nicht (mehr) Christen sind, fördern.
Nach Voranmeldung bieten die zehn Ordensbrüder Führungen über das Klostergelände an. Besuchern erzählen sie von ihrer Gemeinschaft und dem christlichen Glauben genauso wie von Architektur und der langen Geschichte ihres Klosters.
Blütezeiten des Hochmittelalters mit der Christianisierung auf ihrem Höhepunkt, aber auch Kriege und Säkularisation hat das Kloster Huysburg überdauert.
Als militärische Festung um 780 nach Christus von den Franken gegen die Slawen errichtet, gründete sich an Weihnachten 1080 hier ein Benediktinerorden, der bis zur preußischen Säkularisation mehr als 700 Jahre Bestand haben sollte.
Der Dreißigjährige Krieg und die beiden Weltkriege bedeuten für die Klosteranlage dunkle Zeiten. Auch die aus einem Atheismus begründete Vernachlässigung während der DDR hat ihre Spuren an der Huysburg hinterlassen.Dabei bildete Huysburg gerade nach der Sowjetbesatzung ein kleines katholisches Bollwerk: In dem Kloster lebte der einzige Benediktinerorden auf dem Gebiet der DDR. Die Gemeinschaft war im Schatten eines Priesterseminars entstanden, das der damalige Erzbischof von Paderborn gründete, nachdem eine Spaltung Deutschlands absehbar war. Die angehenden Priester und Ordensbrüder waren damals nicht alleine auf dem Höhenzug Huy. Sie mussten sich die alten Klostergebäude mit einem staatlichen Pflegeheim teilen.
Mit der Wiedervereinigung beginnen bessere Zeiten für die Benediktiner. Der Magdeburger Bischof beschloss hier ein kirchliches Zentrum für das neu gegründete Bistum zu erschaffen und auch private und staatliche Förderer entdeckten nicht nur den kirchlichen sondern auch den kulturellen Wert der Huysburg.
Mit dem Jahr 2007 ist ein Meilenstein erreicht: der Magdeburger Bischof Gerhard Feige weihte das Ekkehard-Haus, benannt nach dem ersten Huysburger Abt, ein. Ein Tagungs- und Gästehaus für kirchliche Mitarbeiter und Gruppen, aber auch für Impulssuchende und externe Seminarteilnehmer.
Ein kleines Klostermuseum ist noch in Planung. Für die Sanierung der Gebäude aus Romanik, Gotik und Barock verantwortlich ist ein Architektenteam, das teilweise schon Kloster Helfta für den modernen Klosterbetrieb gerüstet hatte.
Wie das bekannte Frauenkloster in Lutherstadt Eisleben liegt auch Kloster Huysburg an der Straße der Romanik. Eine Themenstraße, die entlang bedeutender Bauwerke aus dem Mittelalter durch Sachsen-Anhalt führt.
Landschaftlich besticht die von Wäldern umgebene Huysburg durch ihre erhöhte und nach wie vor abgeschiedene Lage. So schrieb bereits 1810 Carl van Eß, der letzte Prior vor der preußischen Klosterauflösung: "Unbeschreiblich reizend ist die Aussicht, die sie dem einsamen Bewohner gewähren. Wo wär' auch ein Kloster, wie dieses?"
