Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne

Verklärung des Herrn,
National Gallery, London
Das Fest ist biblisch und wird in allen christlichen Konfessionen begangen
Das Wort „Verklärung“ hat bei uns eher einen negativen Beigeschmack: man denkt unwillkürlich zuerst an Kitsch, verdrehte Augen oder daran, die harte Wirklichkeit nicht so recht wahr haben zu wollen. Will das Fest der „Verklärung des Herrn“ am 6. August also die harte Wirklichkeit unserer Existenz nicht so ernst nehmen? Zunächst einmal hat das Fest einen sehr alten, biblischen Ursprung und wird in allen christlichen Konfessionen begangen.Eine schwierige Situation
Und die Situation, die uns die biblischen Quellen schildern, ist auch alles andere als rosig: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo er – wie er weiß – seinen irdischen Weg mit der bevorstehenden Passion, seinem Leiden am Kreuz, vollenden wird. Er sammelt seine Jünger um sich, um sie auf diesen Weg einzuschwören, sie darauf vorzubereiten, dass sein irdischer Tod bevorsteht und dass der Weg dahin alles andere als glorreich aussehen wird.
Das ist für die Freunde Jesu natürlich eine harte Kost, die es erst einmal zu verarbeiten gilt. Der Leidensweg in Jerusalem wird aber nicht das letzte Wort haben. Das nämlich macht die Szene der Verklärung deutlich. Man könnte hier auch von einer Verwandlung sprechen: Jesus nimmt drei der zwölf Jünger - Petrus, Johannes und Jakobus, die vom Alter und in der Führung einen gewissen Vorrang haben - mit und steigt auf einen Berg, nach alter nicht-biblischer Tradition der Berg Thabor, östlich von Nazareth.
Die Verwandlung - Schau in einem anderen Licht
Die Szenerie bekommt plötzlich einen ganz anderen Ausdruck: „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie Licht“, heißt es in der Bibel bei Matthäus 17, 2. Es erscheinen zwei weitere Personen auf der Bildfläche: Moses und Elija. Sie stehen Pate für die gesamte Überlieferung des Judentums, von Gesetz und prophetischer Tradition und sie reden mit Jesus. Die Jünger sind geschockt und gleichzeitig doch auch beeindruckt von der unwirklichen, überirdischen Situation.
Und sie bekommen einen Ausblick: So wird es sein nach dem irdischen Leben, das ist die Verklärung, die Vergöttlichung: Jesus wird von dieser Erde nicht festgehalten, er wird von den Toten auferstehen.
Die Verklärungsgeschichte und das Fest, das die Kirche am 6. August feiert, offenbart also das Ziel des menschlichen Lebens: Es ist das Erreichen dessen, was man die Schau Gottes nennt, eine Gemeinschaft mit Gott, die die Grenzen menschlicher Existenz sprengt. Wenn der Mensch sich aufmacht zum Berg, dh. dem entbehrungsreichen Weg des Nachfolgens Jesu, kann er - in übersinnlicher und übergeistlicher Erfahrung - die Schau Gottes im Licht als Geschenk Gottes erhalten. Das Thaborlicht steht für die göttliche und vergöttlichende Lichterfahrung, in der das Ziel der geistlichen Bestrebungen des Menschen, seine „Vergöttlichung“, seine überirdische Vereinigung mit Gott, erfüllt wird.
Brauchtum
In den orthodoxen Ostkirchen mit ihrer ausgeprägten Lichtsymbolik spielt das Fest eine wichtige Rolle, dort wird es schon seit dem 5. Jahrhundert gefeiert. Als im Mittelalter die einzelnen Stationen des Lebensweges Jesu mehr in den Blick genommen werden, findet das Fest auch Eingang in der römischen Kirche. 1457 wird es für die katholische Kirche verbindlich. Der Papst benutzt für die Messe an diesem Tag erstmals neuen Wein und segnet Trauben; in orthodoxen Kirchen werden Trauben und andere Früchte gesegnet.
