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"Väter müssen einander Vorbild sein"

Eva Sorg, Gleichstellungsbeauftragte des Bistums Rottenburg-Stuttgart
© Bistum Rottenburg-Stuttgart
Gleichstellungsbeauftragte des Bistums Rottenburg-Stuttgart: Eva Sorg.

Gleichstellungsbeauftragte zu familienfreundlichen Arbeitsmodellen

Die katholische Kirche als Arbeitgeber bietet ihren Mitarbeitern familienfreundliche Modelle an. Viele Bistümer unterstützen Mütter und Väter, wenn diese sich der Erziehung ihrer Kinder widmen wollen. Bereits zum zweiten Mal wurde dem bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch das Zertifikat „audit berufundfamilie“ der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung bestätigt, eine Institution zu sein, in der Beruf und Familie gut zu vereinbaren sind. Besonders Väter schätzen zum Beispiel das Modell der flexiblen Arbeitsorte, stellt Eva Sorg, Gleichstellungsbeauftragte des Bistums, im Interview mit katholisch.de fest. Damit auch andere Bistümer noch familienfreundlicher werden, fordert sie eine bessere Vernetzung zwischen den verschiedenen Diözesen untereinander und mit regionalen Unternehmen.

katholisch.de: Frau Sorg, welche familienfreundlichen Konzepte bietet ihr bischöfliches Ordinariat an?

Eva Sorg: Wir bieten ein flexibles Arbeitszeitmodell von plus 40 Stunden bis minus 40 Stunden. Das heißt, unsere Mitarbeiter können jeden Monat bis zu 40 Stunden weniger arbeiten. Das Arbeitszeitkonto muss nur innerhalb eines Jahres wieder ausgeglichen werden. Somit müssen die Mitarbeiter nicht wie früher um acht Uhr im Büro sein und bis 17 Uhr arbeiten, sondern sie können auch später kommen.

katholisch.de: Wie nutzen die Mitarbeiter des Ordinariats dieses Angebot?

Sorg: Einige nutzen die Zeit und bringen ihr Kind morgens zum Kindergarten. Ein Kollege von mir zum Beispiel kommt zwei Mal die Woche eine Stunde später zur Arbeit, weil er sich intensiver um seine kleine Tochter kümmert. Unter anderem hilft er ihr auch bei den Hausaufgaben und macht dann früher Feierabend im Büro. Aber auch Mitarbeiter, die ihre pflegebedürftige Mutter oder ihren kranken Vater zum Arzt begleiten müssen, schätzen die flexiblen Arbeitszeiten. Die fehlenden Stunden arbeiten sie später nach.

katholisch.de: Im Bistum Limburg haben die Mitarbeiter Anspruch auf Sonderurlaub für die Kindererziehung. Bieten Sie das auch in Ihrem Bistum an?

"Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutet nicht nur ‚Kinderbetreuung’, sondern auch zunehmend ‚Pflege’." Gleichstellungs- beauftragte Sorg

Sorg: Ja, das gibt es auch bei uns. Wir lehnen uns derzeit noch an den Bundes-Angestelltentarif an, aber haben auch eigene Regelungen. Dazu gehört zum Beispiel der unbezahlte Sonderurlaub, der generell für alle Mitarbeiter gilt. Insbesondere auch für Eltern, die ihre minderjährigen Kinder oder pflegebedürftigen Angehörigen betreuen wollen. Denn Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutet nicht nur ‚Kinderbetreuung’, sondern auch zunehmend ‚Pflege’.

katholisch.de: Gibt es noch mehr Angebote für die Mitarbeiter?

Sorg: Das andere Modell, das gerne zur Kinderbetreuung oder Pflege genutzt wird, ist die alternierende Telearbeit. Das heißt, Mitarbeiter können auch von zu Hause aus arbeiten, wenn es die individuelle Tätigkeit zulässt.  

katholisch.de: Wer nutzt dieses Modell der flexiblen Arbeitsorte?

Sorg: Das Angebot wird besonders von Vätern geschätzt, weil die Männer überwiegend auf einer 100-Prozent-Stelle arbeiten und in der Elternzeit oder danach einen Teil ihrer Arbeit vom Büro nach Hause verlegen können. Aber wir hatten auch einen Fall, bei dem eine Mitarbeiterin das Modell zur Pflege ihrer kranken Mutter in Anspruch nahm.

katholisch.de: Sie bieten flexible Arbeitszeiten, Telearbeit und Sonderurlaub an. Welches der drei Modelle wird von Ihren Mitarbeitern bevorzugt?

"Nach meinen Erfahrungen wollen sie eher die Möglichkeit des flexiblen Arbeitsortes beziehungsweise der Teilzeitarbeit nutzen." Gleichstellungs- beauftragte Sorg

Sorg: Nach meinen Erfahrungen wollen sie eher die Möglichkeit des flexiblen Arbeitsortes beziehungsweise der Teilzeitarbeit nutzen. Der über die dreijährige Elternzeit hinaus gewährte Sonderurlaub wird immer weniger in Anspruch genommen. Ich erlebe zunehmend eine Veränderung im Bereich Kinderbetreuung. Früher waren die Frauen Minimum drei Jahre weg und heute nehmen viele die Möglichkeit in Anspruch, bis zu 30 Wochenstunden in der Elternzeit zu arbeiten. Aber spätestens nach dem zweiten Jahr steigen Mütter mit zehn oder zwanzig Stunden in ihren Beruf wieder ein.

katholisch.de: Was denken Sie: Woran liegt das?

Sorg: Ich vermute, bei den Arbeitnehmern hat es ein Umdenken gegeben. Die Entwicklungen in den verschiedenen Berufsfeldern sind schneller geworden, so dass Mitarbeiter Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren, wenn sie zu lange aus dem Job sind. Bei den Frauen hat es zudem auch einen Mentalitätswandel gegeben: Über die Kindererziehung hinaus haben sie ein Bedürfnis, weiterhin einen Teil ihrer Verantwortung auch im Beruf wahrzunehmen. Dies wird ihnen - wie übrigens auch den Vätern - durch neue und verbesserte gesetzliche Angebote wie die Partnermonate ermöglicht.

katholisch.de: Wie können andere Bistümer familienfreundlicher werden?

Sorg: Wichtig ist, dass wir als Kirche uns untereinander vernetzen. Zudem können wir als Arbeitgeber auch einen Austausch mit Personalchefs aus regionalen wirtschaftlichen Unternehmen pflegen. So profitieren wir gegenseitig voneinander. Aber vor allem müssen gerade die Väter sich gegenseitig ein Vorbild sein. Ich kann keinen Mann überreden, dass er Partnermonate nimmt. In dem Väter aber von ihren Erfahrungen in Elternzeit berichten, können sie andere animieren, es ihnen gleich zutun.

Das Interview führte Saskia Gamradt (katholisch.de)

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