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Heiliger Kämpfer für das Papstamt

Der Moment der Demut: König Heinrich IV. kniet in Canossa vor Papst Gregor VII.
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Der Moment der Demut: König Heinrich IV. kniet in Canossa vor Papst Gregor VII.

Gregor VII. gilt als einer der wichtigsten Päpste der Geschichte

Wann immer sich Benedikt XVI. zu gesellschaftlichen oder politischen Fragen äußert, kann sich das Kirchenoberhaupt der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sicher sein. Die mahnende Stimme des Papstes wird gehört – von den einfachen Gläubigen bis hin zu Politikern und Staatenlenkern auf allen Kontinenten.

Dass der Papst in dieser Form als eigenständiger politischer Akteur wahrgenommen wird, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Gregor VII. (1073-1085). Als erstes Kirchenoberhaupt beanspruchte er gegenüber den Herrschern seiner Zeit eine bis dahin nicht gekannte Unabhängigkeit für sein Amt. Damit hatte er maßgeblichen Anteil an der Trennung von geistlicher und weltlicher Macht sowie der Entwicklung des Papstamtes hin zu einem bedeutenden Faktor auf der Weltbühne.

Gregor, dessen bürgerlicher Name Hildebrand lautete, wurde um das Jahr 1020 im toskanischen Sovana geboren. Durch verwandtschaftliche Beziehungen kam er zur Ausbildung in das Marienkloster auf dem römischen Aventin. Hier erhielt er die priesterlichen Weihen und erregte schon bald die Aufmerksamkeit von Papst Gregor VI. (1045/1046), der ihn zum Kaplan ernannte. Gemeinsam mit Gregor VI. ging er später nach Köln, von wo aus er in das Benediktinerkloster von Cluny eintrat.

Einflussreicher Kirchenreformer

Papst Leo IX. (1049-1054) rief Hildebrand nach einigen Jahren nach Rom zurück. Dort stieg er als Berater verschiedener Päpste in hohe kirchliche Ämter auf und galt bald als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt. In Rom begegnete Hildebrand auch Petrus Damiani (1007-1072), dem später heilig gesprochenen Kirchenlehrer. Mit diesem zusammen festigte er früh seinen Ruf als großer Kirchenreformer und als Kämpfer gegen Simonie und Priesterehe.

Als Papst Alexander II. (1061-1073) starb, wurde Hildebrand am 22. April 1073 als Gregor VII. zum neuen Pontifex gewählt. Als Oberhaupt der katholischen Kirche arbeitete er von Anfang an unnachgiebig an der Verfolgung seiner Ziele, die er bereits vor Beginn seines Pontifikats im "Dictatus papae" niedergeschrieben hatte. Dieses aus 27 Leitsätzen bestehende Dokument beansprucht für den Papst die alleinige Herrschaft über Kirche und Christenheit. Zudem fordert es für das Kirchenoberhaupt das Recht, Bischöfe und Äbte allein in ihr Amt einsetzen und den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Streitfall absetzen zu dürfen.

Mit seinen Forderungen, die nichts anderes als die Vormachtstellung der geistlichen über die weltliche Macht zum Ziel hatten, zerstörte Gregor die Machtstrukturen seiner Zeit. Vor allem das Verbot der "Investitur" genannten Amtseinsetzung von Geistlichen durch Laien stieß bei den weltlichen Herrschern auf Kritik. Für diese nämlich war die Investitur von enormer Bedeutung, da sie sich auf diese Weise die Loyalität des Klerus sichern und Einfluss auf kirchliche Entscheidungen nehmen konnten.

Insbesondere der König des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich IV. (1056-1106), wollte sich nicht in das Investitur-Verbot fügen, und so kam es mit dem "Investiturstreit" zu einem der folgenschwersten Konflikte der Kirchengeschichte, der das gesamte weitere Pontifikat Gregors beherrschen sollte.

Erbitterte Gegnerschaft

Gregor und Heinrich wurden zu erbitterten Gegnern um die Vorherrschaft im Abendland, die sich im Laufe ihrer Auseinandersetzung mehrfach gegenseitig bannten bzw. des Amtes enthoben. Erst als Heinrich 1077 unter dem drohenden Verlust seines Königtums seinen sprichwörtlich gewordenen "Gang nach Canossa" unternahm und sich dem Papst bei einem dreitägigen Buß-Ritual unterwarf, schien der Konflikt zugunsten des Kirchenführers ein Ende zu finden.

Doch Heinrich betrieb eine Politik der Nadelstiche und taktierte weiter. Es folgten ein weiterer Bannstrahl aus Rom und eine von Heinrich nach Brixen einberufene Synode, auf der der Erzbischof von Ravenna als Gegenpapst zu Gregor VII. gewählt wurde. Seinen Abschluss fand der Konflikt der beiden Antipoden schließlich, als Heinrich von 1081 an einen dreijährigen Feldzug gegen Gregor unternahm, an dessen Ende das Kirchenoberhaupt ins süditalienische Salerno fliehen musste.

Wenig später, am 25. Mai 1085, starb Gregor in seinem Exil. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: "Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst; deshalb sterbe ich in der Verbannung." Im Jahr 1606 wurde er heilig gesprochen, sein Gedenktag wird am 25. Mai begangen. Herausragendes Verdienst seines Pontifikats bleiben die von ihm erkämpfte Oberhoheit des Papstes und der Kurie über die weltlichen Machthaber und sein Einsatz für die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht. Damit prägte Gregor VII. Stellung und Gestalt der Kirche bis in die Gegenwart.

Von Steffen Zimmermann
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