Mainz - Er ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands: der Kölner Dom. Auch seine Bauzeit stellt einen Superlativ dar: Die im 13. Jahrhundert begonnenen Arbeiten fanden erst nach 632 Jahren mit der Einweihung im Jahr 1880 einen Abschluss. Der wiederum angesichts von Renovierungen im Grunde auch nur vorläufig ist - womit sich ein weiterer Rekord verbindet: Die Kathedrale am Rhein ist die größte Langzeitbaustelle Deutschlands.
Nicht ohne Grund ist der Dom also Thema des ersten Beitrags in der neuen dreiteiligen ZDF-Dokumentarreihe "Superbauten", die am Sonntag um 19.30 Uhr startet. An den beiden darauffolgenden Sonntagen geht es um das Schloss Neuschwanstein (21. März) und die Dresdner Frauenkirche (28. März).
Die auf dem Sendeplatz "Terra X" gezeigten 45-Minuten-Beiträge wollen "die Biografie" bedeutender architektonischer Werke in Deutschland vorstellen, wie der verantwortliche Redakteur Alexander Hesse betont. Der Zuschauer soll auf Entdeckungsreise in das eigene Land mitgenommen werden. Gleichsam als Reiseführer hat der Mainzer Sender den Schauspieler Sebastian Koch gewonnen. Er führt den Zuschauer an Orte, an die dieser sonst nicht kommt - etwa unter das Dach der Kölner Kathedrale.
Historische Spielszenen
Mit historischen Spielszenen, Computeranimationen und Expertengesprächen gelingt es den Filmemachern, die lange und komplexe Baugeschichte der gotischen Kathedrale und ihre extremen baulichen Herausforderungen darzustellen. Damit es nicht bei steintrockener Materie bleibt, "menschelt" es in der Dokumentation um zwei zentrale Figuren: Da ist zum einen Meister Gerhard, der im 13. Jahrhundert den Bau konzipierte und nur mit dem Senkblei ausgerüstet das 144 Meter lange Fundament legte.
Die andere Hauptperson ist der Kunstsammler Sulpiz Boisseree, der sich im 19. Jahrhundert nicht mit der seit 1560 brachliegenden Baustelle abfand, die ursprünglichen Pläne wieder aufstöberte und Himmel und Hölle für die Fortsetzung des "Superbaus" bewegte.
Die Dokumentation bietet viele technische Informationen, etwa dass 120.000 Tonnen Mauerwerk über der Erde ein ebenso großes Gegengewicht in den zehn Meter tiefen Fundamenten unter der Erde haben. Oder dass das Strebwerk an den Seiten die nicht tragenden Wände selbst vor heftigsten Orkanen schützt. Beeindruckend auch die Bilder aus den verschiedenen Bauphasen; mit seinem jetzigen Gesicht zeigt sich das Gotteshaus mit dem Schrein der Heiligen Drei Könige erst 130 Jahre. Über viele Jahrhunderte überragten nur der Chor und ein Teil der Türme die Stadt.
"Zwischen Genie und Wahnsinn"
Koch, der nach eigenem Bekunden vor dem Film auch nur Durchschnittswissen über die Bauwerke hatte, begeistert sich für die "Menschen zwischen Genie und Wahnsinn", die die Kathedralen planten und gegen zahlreiche Widerstände durchsetzten. Selbst Goethe hat seinen Platz in der Handlung; nach dessen Votum soll das notwendige Geld reichlich geflossen sein - eine etwas "zugespitzte" Aussage der Dokumentation, wie Regisseur Christian Twente einräumt. Ein Manko des Films ist, dass der Dom als religiöses Bauwerk nur am Rande vorkommt.
Ergänzende Einblicke in das Kölner Wahrzeichen will eine weitere ZDF-Sendung vermitteln. "Abenteuer Wissen" berichtet am kommenden Mittwoch um 22.15 Uhr, über die Gefährdung des Baus etwa durch Abgase und Korrosion. Und über den Wettlauf gegen die massiven Umwelteinflüsse.
Hinweis: "Terra X: Superbauten", dreiteilige ZDF-Dokumentarreihe über den Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein und die Dresdner Liebfrauenkirche, 14., 21. und 28. März, jeweils 19.30 Uhr. Ergänzungssendung "Abenteuer Wissen" über die Gefährdung des Kölner Doms durch Umwelteinflüsse, 17. März, 22.15 Uhr.
Von Andreas Otto (KNA)