2009 - Ein kirchlicher Blick zurück
Von Papstreisen, Piusbrüdern und Pro-Reli-Aktionen
2009 war in jeglicher Hinsicht ein bewegendes Jahr: Der Amoklauf von Winnenden. Der Tod einer Popikone. 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall.Auch für die katholische Kirche hielt dieses Jahr so einige Höhen und Tiefen bereit: Ihre Katholisch.de-Redaktion lässt die 25 wichtigsten Ereignisse noch einmal fotografisch Revue passieren.
6. Januar: Sternstunde im Schloss Bellevue
Empfänge mit Staatsoberhäuptern gehören zum Metier eines Bundespräsidenten. Aber das gleich 48 Könige auf einmal dem Schloss Bellevue einen Besuch abstatten, ist auch für Horst Köhler etwas Besonderes. In diesem Jahr waren es Sternsinger aus dem Bistum Hildesheim, die in Vertretung ihrer bundesweit rund 500.000 jungen Kollegen den Segen "Christus mansionem benedicat" (Christus segne dieses Haus) an das Portal des präsidialen Amtssitzes schrieben.Aber nicht nur der Bundespräsident, auch die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder ließen es sich nicht nehmen, die Sternsinger persönlich zu empfangen - und reihten sich damit ein in Millionen deutscher Bürger, die den jungen Königen Einlass - und eine Spende - gewährten.
39,6 Millionen Euro kamen auf diese Weise für das Kindermissionswerk zusammen. Geld, mit dem Kinder und Jugendliche in Not - ungeachtet ihrer Hautfarbe oder Religion - unterstützt werden.
22. Januar: PopeTube
Der Papst erhält seinen eigenen Kanal auf YouTube, der größten Videoplattform im Internet. Der Kanal, auf dem mittlerweile über 400 kurze Filme von Papstreden- und Auftritten zu sehen sind, ist Teil einer Kooperation des Heiligen Stuhls mit dem Internetriesen Google.Durch diese Zusammenarbeit hofft der Vatikan, seine Botschaft effektiver unter jungen Menschen zu verbreiten, die über die vatikaneigene Webseite allein nur schwer zu erreichen wären.
24. Januar: Tradition vs. Moderne
Nein, der 24. Januar war kein guter Tag für Federico Lombardi, den Pressesprecher des Heiligen Stuhls im Vatikan.Eigentlich wollte Lombardi an diesem Tag nur die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft verkünden, die Papst Benedikt XVI. drei Tage zuvor unterschrieben hatte.
Doch was als Geste der Versöhnung geplant war, entwickelte sich zu einem medialen Disaster: Am 21. Janaur hatte das schwedische Fernsehen ein Interview ausgestrahlt, in dessen Verlauf einer der betroffenen Bischöfe, der Engländer Richard Williamson, offen den Holocaust leugnete.
Was folgte, war ein außer- wie innerkirchlicher Aufschrei der Empörung: Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse deuteten nicht wenige so, als hätte ein katholischer Papst - und dazu ein deutscher - bewusst einen Holocaust-Leugner rehabilitieren wollen.
Nur mit viel Mühen gelang es im Laufe des Jahres, die Wogen wieder zu glätten. Die Pius-Brüder hingegen zeigten sich wenig kompromissbereit und legten es auf eine Machtprobe mit dem Vatikan an: Zwar distanzierten sie sich von den Aussagen Williams', vollzogen allerdings im Juni Priesterweihen im Bistum Regensburg, die nach dem Kirchenrecht als illegal gelten. Denn die Pius-Bischöfe bleiben - trotz Aufhebung der Exkommunikation - weiterhin suspendiert und dürfen kein Amt in der katholischen Kirche wahrnehmen.
Katholisch.de-Dossier: Papst-Beschluss löst Kontroverse aus
10. Februar: 80 Kerzen für den kleinsten Staat der Welt
80 Jahre Vatikan - Eine Zahl, die auf den ersten Blick stutzen lässt: Reicht die Geschichte des Vatikans nicht bis ins frühe Mittelalter zurück? Doch der Kirchenstaat - seit 756 weltliches Herrschaftsgebiet des römischen Bischofs - war 1870 von italienischen Truppen besetzt, der Papst politisch entmachtet worden.Erst sechzig Jahre später, am 11. Februar 1929, erhielt der Heilige Stuhl in den Lateranverträgen mit dem italienischen Königreich unter Mussolini seine Eigenstaatlichkeit zurück. Zugegeben - von einem Territorium, das ursprünglich weite Teile Mittelitaliens mit Rom als Hauptstadt umfasste, war nur noch ein 44 Hektar kleinen Staat im Miniformat übrig geblieben: der von einer Mauer umfriedeten Vatikanischen Hügel sowie der Petersplatz.
Doch der weitgehende Verlust seines weltlichen Territoriums tat dem Heiligen Stuhl gut: Nun konnte sich der Kirchenstaat ganz auf seine Kernaufgabe, die Bewahrung und Verbreitung des katholischen Glaubens, konzentrieren. Und lernte, dass politische Einflussnahme nicht nur von territorialer Größe abhängig ist.
Katholisch.de-Dossier: Der Vatikan, kleinster Staat der Welt
2. März: 68 Bischöfe, eine Hansestadt - und viele Fragen
Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, umringt von Mikrofonen - unbestreitbar herrschte bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe ein Medieninteresse wie schon seit langem nicht mehr.Denn jenes Treffen in Hamburg zeugte von einer ganz besonderen innerkirchlichen wie gesellschaftspolitischen Brisanz: Auf dem Programm stand nicht nur die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise, sondern auch der Umgang der Deutschen Bischofskonferenz mit der traditionalistischen Pius-Bruderschaft.
Am Ende distanzierten sich die 68 deutschen Bischöfe mit deutlichen Worten von den rückwärtsgewandten Positionen der Pius-Brüder und bekannten sich geschlossen zum Reformkurs des Zweiten Vatikanischen Konzils. Den Papst nahmen sie - trotz Kommunikationspannen im Vatikan - gegen jegliche Kritik von außen in Schutz.
17. März: Im Herzen Afrikas
Ein Empfang wie für einen Popstar: Afrikanische Jugendliche begrüßen Papst Benedikt XVI am 21. März 2009 im Dos Coqueiros Stadion von Luanda.Vier Tage zuvor war das katholische Staatsoberhaupt zu seiner elften Auslandsreise in die afrikanischen Staaten Kamerun und Angola aufgebrochen. In Europa hatte die Reise vor allem mediale Beachtung aufgrund eines umstrittenen Zitats zum Thema Aids gefunden.
Benedikt XVI. hatte zu Beginn seiner Afrika-Reise gesagt, die Aids-Epidemie lasse sich nicht durch die Verteilung von Kondomen überwinden; Kondome vergrößerten die Probleme nur. Vielmehr komme es auf moralisch richtiges Verhalten und besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Kranken an.
Katholisch.de-Dossier: Die erste Afrika-Reise von Benedikt XVI.
26. März: Wir sind Mutter Teresa!
Ein schlichter weißer Sari mit einem blauen Streifen an der Borte - Seit Mutter Teresa Markenzeichen für grenzenlose Nächstenliebe und Aufopferung für die Ärmsten der Armen.Es ist ein schweres Erbe, das Mary Prema Pierick, "Missionarin der Nächstenliebe" im indischen Kalkutta, antritt. Die deutsche Schwester wurde am XX. zur neuen Generaloberin des Ordens ernannt - und ist damit Nachfolgerin der wohl berühmtesten Ordensschwester des 20. Jahrhunderts, des "Engels von Kalkutta".
Im nächsten Jahr wird Schwester Mary Prema die Gemeinschaft dann durch das Jubiläum des 100. Geburtstags von Mutter Teresa führen - und vielleicht noch dabei sein, wenn ihre Vorgängerin irgendwann einmal heilig gesprochen wird.
Katholisch.de-Nachricht: Eine Westfälin beerbt Mutter Teresa
30. März: Neue Hirten braucht das Land
Ein fester Armdruck - sichtbares Zeichen der Freundschaft und Unterstützung, hier zwischen Franz-Josef Overbeck, dem damaligen Münsteraner Weihbischof, und Bischof Felix Genn anlässlich der Amtseinführung letzteren als Bischof von Münster am 29. März 2009.Gleich drei Bistümer sollten in diesem Jahr einen neuen Oberhirten erhalten. Dabei vollzogen die Bistümer Essen und Münster quasi einen fliegende Wechsel: Am 30. März übernahm der Essener Bischof Felix Genn den Münsteraner Bischofssitz. Weihbischof Franz-Josef Overbeck, der in der Zeit der Vakanz nach dem Ruhestand Reinhard Lettmanns das westfälische Bistum geleitet hatte, wurde am 20.12. zum Hirten des Essener Ruhrbistums ernannt.
Im Monat Mai erhielt das Erzbistum Trier mit Stephan Ackermann am 24. Mai einen lang ersehnten Nachfolger für Reinhard Marx, der 2008 auf den Bischofsstuhl von München und Freising gewechselt war.
2. April: Heilig auf der Überholspur
Santo - aber subito! Für viele Katholiken ist der vor vier Jahren verstorbene Papst Johannes Paul II. schon vor seiner Seligsprechung ein Heiliger.Bereits bei seiner Beisetzung am 8. April forderten Pilger in Sprechchören und auf Transparenten einen möglichst schnellen Seligsprechungsprozess. Doch obwohl Benedikt XVI. das Verfahren quasi auf die "Überholspur" gesetzt und die übliche Fünf-Jahres-Frist aufgehoben hatte, wolle man gerade bei einem so beliebten Papst mit gebotener Sorgfalt und Professionalität vorgehen, ließ der Präfekt der Seligsprechungs-Kongregation, Erzbischof Angelo Amato, im Sommer diesen Jahres verlauten.
Trotzdem wurde 2009 eine weitere, entscheidende Hürde genommen: Am 20. Dezember erkannte Papst Benedikt XVI. seinem direkten Vorgänger den "heroischen Tugendgrad" zu. Vor der Seligsprechung des polnischen Papstes ist nun noch der Nachweis einer Wunderheilung erforderlich.
Als möglicher Termin für die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. wird nun der 16. Oktober 2010 genannt. An diesem Tag hatten die Kardinäle 1978 den Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla zum Papst gewählt.
12. April: Ostern für alle
Urbi et orbi - Für die Stadt und für den Erdkreis. Tatsächlich, der traditionelle Ostersegen des Papstes reicht sogar bis ins weit entfernte China, genauer gesagt in die Stadt Xiaohan, hier während eines Ostergottesdienstes am 11. April 2009.Denn während Christen in weiten Teilen Europas das Fest der Auferstehung Jesu in prunkvollen Zeremonien feiern, müssen sich andere im Verborgenen halten.
Schätzungen des Hilfswerks "Kirche in Not" zufolge gibt es über 40 Millionen Christen in China – ein Drittel davon Katholiken -, die ihren Glauben nicht offen praktizieren können.
16. April: Arm und erfolgreich
Einen kleinen Moment der Feier gönnten sich die Franziskaner dann doch, bevor es zurück an die Arbeit ging.Vor 800 Jahren, im Frühjahr 1209, war Franziskus mit zwölf Männern aus Rom nach Assisi zurückgekehrt. Im Gepäck eine freudige Botschaft: Papst Innozenz III. hatte ihnen gestattet, als Orden in Armut zu leben und Buße zu predigen.
Die Glaubenssätze des Franziskus, Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, waren von beeindruckender Schlichtheit: Auch die Kirche müsse in Armut leben und auf diese Weise dem Beispiel Jesus' und dessen Jüngern folgen. Keine Selbstverständlichkeit zu einer Zeit, als sich katholische Geistliche auch durch weltliche Macht und Besitz definierten.
Doch die Ordensregel sollte sich bewähren: Mit rund 15.500 Mitgliedern weltweit bilden die Franziskaner heute den zweitgrößten Orden der katholischen Kirche.
26. April: Heilig willkommen!
Von der Lepra gezeichnet auf seinem Totenbett - so zeigt das Wandrelief in der Kapelle der deutschen Provinz der Arnsteiner Patres in Lahnstein am Rhein den "Apostels der Aussätzigen", Damian De Veuster. De Veuster ist einer von insgesamt zehn Menschen, die 2009 heiliggesprochen wurden.Neben dem belgische Missionar, der 1889 in der Lepra-Kolonie Molokai auf Hawaii starb, wurden außerdem kanonisiert: Arcangelo Tadini (1846-1912), Priester aus Brescia und Gründer einer italienischen Frauenkongregation; Bernhard Tolomei (1272-1348), Gründungsabt des italienischen Benediktinerklosters von Monte Oliveto; Gertrude Comensoli (1847-1903), Mitbegründerin der Sakramentinerinnen von Bergamo; Caterina Volpicelli (1839-94), sie stammt aus Neapel und formierte die Dienerinnen des Heiligsten Herzens Jesu; der frühere Erzbischof von Warschau; Zygmunt Szczesny Felinski (1822-1895); der spanische Dominikaner Francisco Coll y Guitart (1812-1875); der spanischen Zisterzienser Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) und die französische Ordensgründerin Marie de la Croix (1792-1879).
Katholisch.de-Dossier: Heilige - Vorbilder mit langer Halbwertzeit
26. April: Berlin sagt 'Nein'
Noch jubeln die Vertreter von Pro Reli, hier auf einer Wahlparty des Berliner Volksbegehrens.Doch ihr Ziel, Religion zum Wahlpflichtfach an Berliner Schulen zu machen, blieb letzten Endes unerreicht: Beim Volksentscheid wurde nicht nur das notwendige Zustimmungsquorum von 25 Prozent der Stimmberechtigten verfehlt, sondern auch der Gesetzentwurf von der Mehrheit der Abstimmenden abgelehnt.
8. Mai: Zurück zu den Wurzeln
Es ist ein Gebetszettel unter vielen. Und doch ein ganz besonderer. Denn die Hand, die das Stück Papier nach jüdischer Tradition in die Ritzen der steinernen Klagemauer in Jerusalem steckt, gehört Papst Benedikt XVI.Vom 8. bis 15. Mai 2009 war das katholische Oberhaupt als Pilger nach Jordanien, Israel und in die Palästinensischen Gebiete gereist - die dritte Reise eines Papstes in die konfliktreiche Region seit Gründung des Staates Israel 1948.
Benedikt XVI. rief zum Miteinander der Religionen auf und ermunterte Juden, Christen und Muslime zu einem starken interreligiösen Dialog. Dementsprechend gestaltete sich auch der Text seines Gebetszettels: eine Bitte um Frieden im Nahen Osten.
19. Juni: Das Jahr der Priester
In einer Zeit des Priestermangels soll er für Hoffnung und Nachwuchs sorgen: Johannes-Maria Vianney, besser bekannt als Heilger Pfarrer von Ars - Vorbild und Patron der rund 404.000 katholischen Priester in aller Welt.Anlässlich des 150. Todesjahrs des "Pfarrers vor Ars" rief Papst Benedikt das Priesterjahr aus, das er am 19.06.2009 unter dem Motto "Treue zu Christus, Treue des Priesters" eröffnete.
Mit dem Priesterjahr hofft die katholische Kirche, die Wichtigkeit der priesterlichen Sendung zu unterstreichen und gleichzeitig mehr Priesternachwuchs zu gewinnen.
7. Juli: Aufruf zum Umdenken
Eigentlich sollte "Caritas in Veritate" ("Die Liebe in der Wahrheit"), die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt, bereits 2007 erscheinen. Doch dann funkte die globale Wirtschaftskrise dazwischen - und ließ das Oberhaupt der katholischen Kirche noch einmal zum sprichwörtlichen Federhalter greifen.Zwei Jahre später - einen Tag vor dem G8-Gipfel in Italien - veröffentlichte der Papst seine nunmehr dritte Lehrschrift. In dieser forderte das katholische Oberhaupt zahlreiche Änderungen für mehr soziale Gerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft.
Unter anderem solle eine weltweite Steuerungsinstanz die Weltwirtschaft in geregelte Bahnen lenken, die von der Krise betroffenen Volkswirtschaften sanieren und einer Verschlimmerung der Krise vorbeugen.
Katholisch.de-Dossier: Die dritte Enzyklika von Benedikt XVI.
10. Juli: Charisma trifft Charisma
Was genau Benedikt XVI. und Barack Obama zu besprechen hatten, blieb unbekannt - das 40-minütige Gespräch zwischen dem neuen Präsidenten der vereinigten Staaten und dem Ersten Mann im Vatikan fand hinter verschlossenen Türen statt.Trotz offensichtlicher Einigkeit in bestimmten Fragen, beispielsweise zu den Themen Naher Osten oder Armutsbekämpfung, darf allerdings spekuliert werden, dass das Treffen nicht nur harmonisch verlaufen ist.
Denn Obama unterstützt - anders als sein Vorgänger George W. Bush - die Forschung mit embryonalen Stammzellen und eine eher liberalere Abtreibungsregelung. Der Papst hingegen lehnt diese Positionen mit Bezug auf die christlichen Positionen zum "Schutz des Menschen in allen Phasen seines Lebens" strikt ab.
24. Juli: Messe mit Mundschutz
So weit kam es dann doch nicht. Im Gegensatz zu den Gottesdienstbesuchern in der Kathedrale von Mexiko City konnten die deutschen Katholiken ihre Messe weiterhin ohne Mundschutz besuchen.Vorsichtsmaßnahmen wurden allerdings auch in Deutschland ergriffen: Um die Ausbreitung der Schweinegrippe einzudämmen, empfahl die Deutsche Bischofskonferenz Vorsicht bei der Kelch- und Mundkommunion. Einige Gemeinden verzichteten sogar auf das Händeschütteln beim Friedensgruß und rieten zur zurückhaltenden Nutzung des Weihwasserbeckens.
Katholisch.de-Audio: Nur keine Angst - Die Kirche und die Schweinegrippe
19. August: Schmerzhafte Erinnerungen
Es war kein leichtes Treffen für Erzbischof Zollitsch: Fünf Heimkinder, die in den 50er und 60er in katholischen Kinderheimen untergebracht waren, berichteten dem deutschen Oberhirten von körperliche Gewalt, harten Bestrafungen und Demütigungen durch die damaligen Verantwortlichen.Nicht wenige der rund 800.000 Kinder und Jugendlichen, die zwischen 1945 und 1975 in westdeutschen Kinderheimen untergebracht waren, leiden noch immer unter traumatischen Erinnerungen an die Erziehungsmethoden jener Zeit. Um das erlittene Unrecht aufzuarbeiten, trafen sich das gesamte Jahr über ehemalige Heimkinder zu einem "Runden Tisch" mit Vertretern des Staates und der Kirchen. Etwa zwei Drittel der Einrichtungen befanden sich in kirchlicher Trägerschaft.
Aus diesem Grund unterstützt die Deutsche Bischofskonferenz seit 2008 Bemühungen um die Aufarbeitung dieses nicht immer rühmlichen Kapitels der jüngeren deutschen Kirchengeschichte. Betroffenen soll der Zugang zu Akten von ehemaligen katholischen Kinder- und Jugendheimen erleichtert und ab Januar 2010 eine Hotline eingerichtet werden, die ehemaligen Heimkindern seelsorgerische und psychologische Hilfe anbietet.
5. November: Kreuz oder nicht Kreuz...?
Ein italienisches Kreuz sorgte im November auch in Deutschland für Wirbel: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte einer Klägerin Recht gegeben, die sich für die Entfernung des christlichen Symbols aus den öffentlichen Schulen Italiens eingesetzt hatte.Obwohl das neue Kruzifix-Urteil keine direkten Auswirkungen auf Deutschland hatte, weckte es Erinnerungen an den Bayerischen Kruzifixstreit von 1995.
Sowohl die Bischofskonferenz als auch Vertreter aus Kirche und Politik kritisierten das Urteil: Europa dürfe sein gemeinsames religiöses Erbe nicht vergessen.
Katholisch.de-Audio: Erzbischof Reinhard Marx zum Kruzifix-Urteil
20. November: Glück-liches Ende
"Schweren Herzens", so erklärte Alois Glück bei der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), habe er die Führung der Laienkatholiken übernommen.Der Wahl vorausgegangen waren schwere Verstimmungen zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK. Eigentlich sollte bereits auf der ZdK-Frühjahrsvollversammlung am 8. und 9. Mai ein Nachfolger für Hans Joachim Meyer gewählt werden, der nach zwölfjähriger Amtszeit seinen Rückzug angekündigt hatte.
Doch der Ständige Rat der Bischöfe war mit dem Kandidaten Heinz-Wilhelm Brockmann nicht einverstanden - ein Präzedenzfall in der Geschichte des Zentralkomittees. Gegen den 61-jährigen Kandidaten waren Vorbehalte laut geworden, wohl auch, weil er zu den Mitbegründern des Schwangerenberatungs-Vereins "Donum Vitae" gehört.
30. November: Mina-Njet
Die Mehrheit der Schweizer sagte im November "Nein" zum Bau neuer Minarette und stieß damit eine innereuropäische Debatte um interreligiöse Tolerenz und Religionsfreiheit in ganz Europa an.Die deutschen Bischöfe lehnten die Schweizer Entscheidung als eine Einschränkung der Religionsfreiheit ab. Freie Religionsausübung müsse als Zeichen eines freiheitlichen Staates grundsätzlich gelten - selbst, wenn diese Freiheit in manchen islamischen Staaten den Christen verwehrt werde, betonte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhardt Fürst.
Gleichzeitig riefen die Bischöfe in Deutschland lebende Muslime dazu auf, sich auch in ihren Herkunftsländern für eine schrankenlose Religionsfreiheit - und damit auch für den Bau christlicher Gotteshäuser - einzusetzen.
1. Dezember: Am Sonntag sei Ruh'
Vier verkaufsoffene Adventssonntage - von einer besinnlichen Adventszeit blieb für die Angestellten im Berliner Einzelhandel im Dezember nur wenig übrig.Gegen diese Aufweichung des Sonntagsschutzes hatten die evangelische und katholische Kirche gemeinsam Verfassungsbeschwerde eingelegt - und Recht bekommen.
Allerdings blieb die für verfassungswidrig erklärte Regelung noch bis zum 31. Dezember 2009 in Kraft. Berliner Geschäfte konnten in diesem Jahr also - zum letzten Mal - an allen vier Adventssonntagen öffnen.
7. Dezember: Der Klimagipfel scheitert
Dieser Schneemann hat allen Grund, traurig zu sein: Der Klimagipfel von Kopenhagen - gestartet als letztes Bollwerk gegen die Gefahren des drohenden Klimawandels - scheiterte an den Einzelinteressen der beteiligten Staaten. Am Ende blieb es bei unverbindlichen Versprechungen und Lippenbekenntnissen, die Erderwärmung auf weniger als 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen.Auch die katholische Kirche in Deutschland bewertete den Ausgang des Gipfels als enttäuschend. Kopenhagen bleibe weit hinter dem Ziel zurück, ein Nachfolgeabkommen für Kyoto zu verabschieden, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.
Das katholische Hilfswerk Misereor fand noch deutlichere Worte: Für Misereor war der Ausgang des Klimagipfels "ein Armutszeugnis für die Politik, eine Schande für die Industrieländer und eine Katastrophe für die Menschen in den Entwicklungsländern".
10. Dezember: Ende der Eiszeit
Auf dieses Bild hatten die Fürsprecher ökumenischer Beziehungen lange warten müssen: Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller im gemeinsamen Gespräch mit dem Berliner Erzbischof Feofan der russisch-orthodoxen Kirche.Vorausgegangen war eine elfjährige Eiszeit zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche: Nach einem Treffen 1998 in Minsk war es zu einer Krise gekommen, unter anderem wegen der Gründung katholischer Bistümer in Russland.
Mit den viertägigen theologischen Gesprächen im Kloster Weltenburg wurde der Dialog neu aufgenommen, in dessen Mittelpunkt das christliche Menschenbild stand. Künftig sollen wieder Gespräche im zweijährigen Rhythmus stattfinden.
