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Die zentrale Botschaft der Bibel

aufgeschlagene Bibel
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Die Überlieferungen der Bibel kreisen um die großen Menschheitsfragen

Die Bibel ist ein altes Buch. Ihre Texte reichen bis zu 3000 Jahre zurück. Und doch vermögen sie Menschen bis heute zu faszinieren. Denn die Überlieferungen der Bibel kreisen um die großen Menschheitsfragen, die über die Jahrtausende hin dieselben geblieben sind: Woher kommen wir, wohin gehen wir, was ist der Sinn unseres vergänglichen Lebens, was ist mit dem Tod, wie finden wir gültige Maßstäbe für unser Handeln ...?

Wozu unser Leben?

Gleich die ersten Seiten der Bibel greifen diese Fragen eindrucksvoll auf. "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" - mit diesem wuchtigen Satz beginnt die Bibel. Dabei geht es nicht nur um den Beginn der Welt, um ein "damals". Es geht vor allem um den Sinn des Daseins - heute! "Gott sah, dass es gut war ..." - so zieht es sich wie ein Refrain durch den ganzen Text. Diese Welt ist gut, sie ist Gottes Schöpfung, und darum ist unser Leben vertrauenswürdig, sind wir Menschen nicht Produkt blinden Zufalls, sondern von Gott bejaht, von ihm gewollt. Hinter dieser Welt steht nicht blindes Geschick, sondern ein Gott, uns Menschen voller Sympathie zugewandt. Und darum ist menschliches Leben zu etwas gut. In seine heutige Fassung gebracht wurde dieser Text in der Zeit des babylonischen Exils. Er ist so eine eindrucksvolle "Gegenrede" gegen den Pessimismus, der damals um sich griff. Wie sehr hätten wir solche Gegenrede heute nötig!

Die großen Schöpfungsmythen des Alten Orients, von denen Genesis 1 beeinflusst  ist, wurden an jedem Neujahrsfest feierlich rezitiert. Auf diese Weise sollte der Bestand der Welt beschworen werden, gegen all die zerstörenden chaotischen Mächte, die ihn bedrohen. Ganz ähnliches hat der biblische Schöpfungstext im Sinn: Er will Vertrauen wecken, dass unsere von so vielen Seiten bedrohte Erde dennoch Bestand haben wird.

Der große Schöpfungstext am Anfang der Bibel lässt sozusagen die ganze Welt vor unserem Auge Revue passieren, als wolle er sagen: Seht euch diese wunderbare Welt an in ihrer Vielfalt, mit all ihren Herrlichkeiten, freut euch daran, genießt sie, betrachtet sie als Geschenk des Schöpfers, der euch Leben und Lebensfreude gönnt. So könnte der biblische Schöpfungsglaube auch zum Impuls werden, unsere wunderbare Erde in ihrer faszinierenden Vielfalt zu erhalten.

Auf den Schöpfungshymnus in Gen 1,1-2,4a folgt mit hartem Schnitt die Erzählung vom Paradies und Sündenfall in Gen 2-3. Jetzt hören wir plötzlich ganz andere Töne: Nicht mehr den Jubel über die Kostbarkeiten der Welt, sondern die Klage über ihre Zerbrechlichkeit. Die Mühsal und die Enttäuschung des Lebens klingen an, all die Plackerei und all die Vergeblichkeit, und der Tod, der alles Leben grausam beendet, der scheinbar alle Sinnerfahrung zunichte macht. Von menschlicher Schuld ist die Rede, von ihrer entfremdenden, zerstörenden Macht, und am Schluss von der großen Geduld eines Gottes, der den nackten hilflosen Menschen liebevoll bekleidet und ihn auf seinem mühseligen Weg durch diese Welt nicht allein lässt. Und es ist davon die Rede, dass der Mensch seine Frau "Eva" nennt. Dieses Wort bedeutet "Leben". Das klingt wie ein trotziges Dennoch: Wir wollen leben und Leben weitergeben, wir wollen nicht resignieren, sondern trotz aller Härten dem Leben trauen.

Der Anfang der Bibel mit ihren 2 Schöpfungstexten umgreift beides: Die Faszination über die Herrlichkeiten der Welt wie das Erschrecken über ihre Abgründe. Er lädt zum Vertrauen ein, dass dennoch ein Gott ist, der menschliches Leben vor dem Absturz in die Sinnlosigkeit bewahren wird. Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass der erste Schöpfungstext, dieser jubelnde Hymnus auf die Vielfalt der Schöpfung, im Exil in Babylon seine endgültige Gestalt bekommen hat, in einer Zeit, in der Israel politisch und religiös völlig am Boden lag. Wie im Trotz gegen die deprimierende Wirklichkeit bekennt dieser alte Text: Und es ist doch gut, zu leben ...

Die Mitte der Bibel

In der Mitte der Bibel steht die Botschaft von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Sie ist heutigen Menschen nicht leicht zugänglich. Aber auch, wer ihr skeptisch oder ablehnend gegenübersteht, kann vielleicht ahnen, warum sie uns Christen so wichtig ist.

Am Beginn des Neuen Testaments steht die atemberaubende Botschaft, dass in Jesus von Nazaret, in einem hilflosen Säugling, Gott selber Mensch wird, sich mitten in die leidvolle Geschichte der Menschen begibt. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14). Die Menschenwelt liegt Gott so sehr am Herzen, dass er sich selber vom Leid der Welt betreffen und verwunden lässt - unauslotbares, in Worten kaum adäquat zu sagendes Geheimnis. Gott ist nicht irgendwo, fern vom Leid der Menschen, sondern im Leid mittendrin. "Am Anfang der Stall - am Ende der Galgen", so hat Walter Jens die Geschichte des Jesus von Nazaret treffend zusammengefasst. Am Ende wird Jesus sterbend in den leeren Himmel schreien: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mk 15,34). Zwischen zwei Verbrechern, so erzählt das Neue Testament, wird er am Kreuz qualvoll hingerichtet. Gott: Solidarisch mit den leidenden Menschen, mit den Opfern, mit all denen, denen man ihre Menschenwürde und ihr Leben raubt. Gott auf der Seite der Missachteten und Gequälten.

Am Anfang der Stall, am Ende der Galgen - dazwischen lag ein kurzes Leben, das viele Menschen bis heute bewegt. Jesus: Ein junger Mann, der völlig unkonventionell lebt, als Wanderprediger mittellos durch die ärmlichen Dörfer Palästinas zieht, und der doch viele Menschen beglückt und reich macht... Eine ziemlich seltsame Gesellschaft sammelt sich um den Mann aus Nazaret. Arme, Krüppel, geistig Behinderte, Kranke, von der Gesellschaft ausgegrenzte, notorische Sünder. Schon bald muss er sich dafür rechtfertigen. Er tut es, indem der die berühmte Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt (Lk 15,11-32). Gerade diese Erzählung fasziniert. Gott ist über alles vorstellbare Maß hinaus der großherzige, der auf jeden wartet.

Der Mann aus Nazaret führt äußerlich ein armseliges Leben. Doch verströmt er einen großen Reichtum. Menschen werden durch seine Zuwendung heil, werden gesund, werden wieder ganz. Gescheiterte Menschen, die ihr Leben als missglückt empfinden müssen, finden ihre Würde und Selbstachtung wieder. Jesus verbreitet eine Atmosphäre von Annahme und Respekt, und doch ist seine Liebe keine sentimentale Anwandlung, keine alles und jedes legitimierende Liberalität. Sie ist Reflex der Liebe Gottes zu den Menschen, die auch etwas fordert, die Menschen einen Auftrag gibt, die sie davor bewahren möchte, unter ihrem Niveau zu leben.

Wie kann es anders sein: Solch konsequent gelebte Liebe, die alles Menschenverachtende und Menschenzerstörende schonungslos aufdeckt, erregt Anstoß, stört. Der Bote Gottes endet am Kreuz. Doch bald schon erfahren seine ersten Anhänger ihn als den lebendigen, der in der ganz anderen Wirklichkeit Gottes lebt, in einem Leben, das kein Tod mehr zerstören kann. Nicht einmal der Tod kann menschliches Glück endgültig zunichte machen. Das war und ist die Hoffnung der Christen.

Was ist nach dem Tod?

Am Ende der Bibel, in ihrem letzten Text, steht die große Vision von der Vollendung der Welt (Offb 21,1-22,5). Die Offenbarung des Johannes ist ein Buch voller Schrecken - es spiegelt die tiefen Ängste der damaligen Christen Kleinasiens am Ende des ersten Jahrhunderts. Vielleicht können auch heutige Menschen ihre Ängste darin wiederfinden, die bange Ahnung, wie bedroht unsere Erde ist, wie flüchtig unser Leben, wie dunkel seine Zukunft.
Doch immer wieder sind in die Bilder des Schreckens kurze Visionen des Himmels eingestreut, bis am Ende die große Vision vom neuen Himmel und der neuen Erde die Bibel der Christen beschließt. Sie entwirft das Bild der heiligen Stadt, des neuen Jerusalem. Menschen finden endlich Heimat, finden Geborgenheit, wissen, wohin sie gehören.

Nur ein paar kleine Details aus dieser großen Vision: Die Tore der Stadt werden niemals geschlossen. Niemand muss sich mehr von anderen abschotten oder absichern, niemand muss vor anderen mehr Angst haben. Die Völker der Erde bringen ihre Schätze in die Stadt (21,24-25). In der Welt Gottes hat alles Platz, was Menschen kostbar war, all die Schätze menschlichen Nachdenkens über die letzten Lebensfragen, all die Ahnungen von Göttlichem hinter diesem Leben und die große Sehnsucht nach etwas, das bleibt. Ein großartiger Text ist das, am Ende der Bibel, da herrscht nicht Enge, sondern Weite. Alle sollen in der neuen Welt Gottes ihren Platz finden.
Nur eine Vision? Christen sind überzeugt: Diese Vision wird Wirklichkeit werden, weil ein Gott ist, der diesen riesigen Kosmos mit seiner Liebe umfängt.

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